• CBC

#CBC007 HOCHKREATIVITÄT




Einleitung

Die Entstehung einer Idee, gleicht einer chemischen Reaktion. Nehmen wir an, der Körper sei eine Petrischale und in dieser Schale liegen all seine Wahrnehmungen und Eindrücke sowie sein Wissen und seine Erfahrungen. Wenn eine Wahrnehmung oder Information von außen hinzukommt, dann passiert, gleich einer chemischen Reaktion, ein kreativer Moment und eine Idee, und ein "Molekül" entsteht. Die Idee entsteht als Ganzes und liegt in seiner Vollkommenheit vor dem inneren Auge. Alle Puzzleteile liegen an Ort und Stelle, keins fehlt - das perfekte "Bild", das perfekte "Produkt"! Die Idee als der große Erkenntnismoment - der "Heureka"-Augenblick! 


Dieser "Aha"-Effekt ist vermutlich allen Menschen bekannt, denn jeder/jede verfügt über ein ihm/ihr eigenes kreatives Potential. Analog der Hochsensibilität und Hochbegabung ist jedoch davon auszugehen, dass es vermutlich Menschen gibt, die über ein höheres Maß an kreativem Potential verfügen, als der Durchschnitt. Bis dato gibt es kein allgemein anerkanntes Testverfahren, mit dem sich das Kreativitätspotentila eines Menschen messen ließe. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle einige Beobachten ausführen und ein Modell zur Hochkreativität erstellen, das als Diskussionsgrundlage für weitere Denkansätze dienen kann.


In meiner Arbeit mit hochbegabten Menschen sind mir mehrfach Personen aufgefallen, die nicht die bekannten "typischen" Merkmale eines Hochbegabten aufwiesen. Sie sprühten vor Begeisterung, war in vielen Interessensgebieten unterwegs und verfolgten ständig neue Projekte und Ideen. Sie sprangen in ihren Gedanken, switchten in Themen und verwendeten häufig Metaphern im Sprachgebrauch. Sie nahmen ihre Umgebung intensivste wahr und verfügten über die unterschiedlichsten Fertig- und Fähigkeiten, die sie sich adaptiv aneignen konnten. Sie waren in vielen Bereichen Autodidakten. Des Weiteren kombinierten sie die verschiedensten Fachthemen und kamen ständig zu neuen Erkenntnissen. Ihre Begeisterung der Drang über ihre Erkenntnisse/Ideen zu berichten, wechselten sich mit scheinbar meditativen, geistesabwesenden Zuständen ab. Obwohl sie hoch fokussiert waren, reichte eine neue Idee/ein neuer innerer Gedanke, um ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten. Sie sprangen zwischen Metaebene und Detailverliebtheit, zwischen Perfektionismus und Improvisation. Sie hatten ein Gefühl für Systeme und Zusammenhänge und erkannten in kürzester Zeit das Wesentlichste- auch das wesentlichste Problem. Sie verknüpften Elemente, die offensichtlich nichts miteinander zu tun hatten. Ihnen mangelte es nie an Ideen und Lösungsvorschlägen für Probleme. Die Zukunft schien ihr Zuhause zu sein.


Trafen sich zwei Menschen mit ähnlichen Persönlichkeitsmerkmalen flogen die Themen wie Bälle durch die Luft, Ideen wurden aus dem "scheinbaren Nichts" geboren und sofort wieder verworfen, um an anderer Stelle neu aufgegriffen zu werden. Alles wurde mit Allem in Verbindung gebracht und der eine schien das auszusprechen, was der andere dachte. Sie nahmen die Welt auseinander und setzten sie wieder neu zusammen. Das Ganze schien wie ein höchst vergnügliches Spiel.




Das Modell


Aus den oben ausgeführten Beobachtungen ließen sich folgende übereinstimmende intrapersonale Kompetenzen und Besonderheiten zuordnen und es entstand ein erster Modellentwurf eines hochkreativen Menschen:


- Hochsensibilität


- Vielbegabung / Interdisziplinarität


- Hochbegabung


- AD(H)S / High Sensation Seaker


Hochsensibilität

Hochsensibilität ist eine gesteigerte Form der Wahrnehmung. Hochsensible Menschen empfinden ihre Umgebung besonders fein und intensiv. Sinnesreize dringen tiefer in die Bewusstseinsebenen ein. Hochsensible Menschen haben die Fähigkeit Trends und Strömungen als auch Störungen viel früher wahrzunehmen als der durchschnittlich sensible Mensch.


Hochsensibilität wird als Phänomen der Neurophysiologie beschrieben. Ca. 15 - 20 % aller Menschen ver-fügen über dieses Persönlichkeitsmerkmal. Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, allerdings gibt es erste neurobiologische Hinweise, dass im Gehirn von hochsensiblen Menschen der Bereich, der die Sinnesinformation verarbeitet, aktiver ist als normal. 


Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang auch die Synästhetiker, bei welchen eine Kopplung von verschieden Sinnen stattfindet. Bildgebungsstudien weisen darauf hin, dass verschiedene Regionen im Gehirn von Synästhetikern anders verknüpft zu sein scheinen. Die Hochsensibilität ist die erste und vielleicht wichtigste Grundlage der Hochkreativität, ohne sie bleibt die Kreativität im durchschnittlichen Bereich. Denn die Fähigkeit zur gesteigerten Wahrnehmung ist zusammen mit der Vielbegabung bzw. Interdisziplinarität die Voraussetzung zur Hochkreativität. Sie sind die Komponenten, die in die Verbindung gehen.


Vielbegabung / Interdisziplinarität


Der Begriff "Vielbegabung" drückt aus, um was es geht - um viele Begabungen und Interessen in den unterschiedlichsten Bereichen.


Menschen, die vielbegabt sind, interessieren sich für Themen aus den unterschiedlichsten Wissensgebieten. Psychologie und Gartenbau, theoretische Physik und Architektur, Archäologie und Schreinerei usw. Ihr Bedürfnis ist in allen, sowohl in theoretischen als auch handwerklichen, Bereichen und Interessengebieten aktiv und tätig zu sein. Dabei fällt es ihnen schwer, sich zu begrenzen und zu fokussieren.


Vielbegabte können sich auf die verschiedensten Anforderung und Denkweisen einstellen und verfügen über die Fähigkeit Fertigkeiten zu adaptieren und sie ohne Übung und Vorwissen in die Umsetzung zu bringen. Die scheinbar unerschöpfliche Neugier und Bereitschaft Neues auszuprobieren ist ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal dieser Menschen. Auch wenn sie mit Rückschlägen rechnen müssen, sie lieben die Heraus-forderung sich neues Wissen und Fertigkeiten anzueignen.  Zusammen mit ihren intensiven Wahrnehmungen und Eindrücken ist das interdisziplinäre Wissen der Schatz der Hochkreativen, aus dem sie jederzeit zusammen mit ihren Wahrnehmungen und Eindrücken neuen Ideen generieren können.


Hochbegabung


Divergentes Denken / logisch-analytisches Denken / hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit.


Wenn von Hochbegabung die Rede ist, dann ist die kognitive Hochbegabung gemeint, die anhand eines standardisierten Intelligenztestes gemessen werden kann. Der Test, wie auch die Begrifflichkeit „Hochbegabung“ impliziert, dass Hochbegabung gleichzusetzen ist mit einem linearen „Höher/Weiter/Schneller“ und dass die Intelligenz bei Hochbegabten linear ansteigt. Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Hochbegabung bedeutet divergentes Denken. Hochbegabte denken komplexer und vernetzter. Sie erfassen das Wesentliche schneller und nehmen in ihrem Denken übergeordnete Ebenen (Metaebenen) ein. Sie verfügen übe ein schnelles Abstraktions- und Assoziationsvermögen und stellen ungewöhnliche Verknüpfungen her. Ihr logisch-analytisches Denken befähigt sie intuitiv Systeme zu erfassen und Strukturen zu erkennen.

Durch ihre Fähigkeit des divergenten Denkens, verbinden hochkreative Menschen ihr Wissen und ihre Wahrnehmungen auf hoch komplexe Weise miteinander. Dabei hilft ihnen ihr analytisch-logisches Denken, das nicht der linearen Logik folgt sondern der divergenten, übergeordneten. Es befähigt sie über den Tellerrand zu denken und somit "out of the box" und disruptive Möglichkeiten zu erkennen und zu kreieren. Die hohe kognitive Arbeitsgeschwindigkeit ist Bestandteil des divergenten Denkvermögens.

AD(H)S und High Sensation Seaker

AD(H)S bezeichnet eine Aufmerksamkeitsstörung mit oder ohne Hyperaktivität. Menschen mit AD(H)S "leiden" an Unaufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, sie scheinen leicht ablenkbar und neigen zu Tagträumereien. 

Hochkreative Menschen scheinen augenscheinlich zur Unaufmerksamkeit und Ablenkbarkeit zu neigen, jedoch sind sie hochkonzentriert. Sie gehen einem neuen Gedanken oder einer neuen Ideen nach und befinden sich in diesem Moment in ihrem ganzheitlichen Flowerleben. Hochkreative sind im eigentlichen Sinn süchtig nach ihrem Flowmoment, ihrem Kick des Erschaffens und sei es nur in Gedanken.


Der Anfang eines jeden kreativen Prozesses ist für sie schnell und mit viel emotionaler Aufregung geladen. Um den anfänglichen Flow zu erleben, brechen Hochkreative bereits begonnene Projekte ab und stürzen sich mit Begeisterung auf die nächste Idee, die sie in den nächsten Flow versetzt. Jede Erkenntnis, jede Idee bedeutet für sie ein neues Flowerlebnis, sie fließen in ihrem Fluss der Begeisterung.


In seiner Gesamtstruktur scheint der Hochkreative mit der Definition des "High Sensation Seaker" (der Sucher nach dem hohen Reiz) übereinzustimmen, denn viele Parallelen sind erkennbar. Der Begriff  erklärt, worum es diesen Menschen geht: sie sind ständig auf der Suche nach neuen, stimulierenden Eindrücken und Erfahrungen. Der Reiz kann, abhängig von den intrapersonalen Persönlichkeits-merkmalen eines Menschen, physischer, psychischer oder sozialer Natur sein. Er ist die Stimulation, die sie brauchen, um sich lebendig zu fühlen. High Sensation Seaker können introvertiert als auch extrovertiert sein. In ihrer Introvertiertheit, erscheinen jedoch viele High Sensation Seaker auf Grund ihrer ungewöhnlichen Aktivitäten extrovertiert.


Ob AD(H)S oder High Sensation Seaker, der Hochkreative springt auf fast jeden Reiz, Gedanke oder Idee an und ist unmittelbar bereit sein momentanes Projekt für ein neues aufzugeben. Ist eine neue Idee geboren, beschreitet er beglückt in Gedanken das neue Terrain, ist euphorisch und malt sie sich in allen Einzelheiten aus. Er ist völlig in seinem Element. Dr. Birgit Wegerich-Bauer Auch nachzulesen unter www.hochkreativitaet.de


0 Ansichten

„die zukunft gehört denen, die die möglichkeiten erkennen,
bevor sie offensichtlich werden.“

oscar wilde